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Gaddis - Guzyk

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Gaddis - Guzyk

Gaddis, Vincent Hayes (1913 –1997), amer. Schriftsteller, von dem der Ausdruck „Bermudadreieck“ in der Februar-Ausgabe 1964 der Zeitschrift Argosy stammt.

Galand de Langeac, Agnes von Jesus

(*17.11.1602 Le Puy-en-Velay; † 19.10.1634 Langeac), selig (20.11.1994, Fest: 19. Okt.), Dominikanerin seit 1623, Ordensname Agnes von Jesus, Myst., Visionärin, Stigm.; 1627 bereits Oberin in Langeac, erschien ihr Maria. Hatte empir. Kontakt mit ihrem Schutzengel, der in Gestalt eines jungen Mannes auftrat. Er offenbarte ihr die Zukunft, brachte ihr die hl. Kommunion und durchbohrte ihr Herz mit einem Pfeil. Über Marienerscheinungen trat Agnes auch in mystische Verbindung mit dem Gründer der Ges. der Priester v. St. Sulpice, P. Jean-Jaques Olier, den sie mit eben dieser Gründung beauftragte. Die myst. Freundschaft dauerte auch nach dem Tod von Agnes an.

Lit.: Bouflet, Bd. I, S. 142; Lantages, M. de: La vie de la vénérable Mère A. de J., Paris 1863.

Galgani, Gemma (*2.03.1878 Bogonuovo di Camigliano bei Lucca / Italien; † 11.04.1903 Lucca), heilig (2.05.1940, Fest: 11. April), Apothekerstochter, letzte kanonisierte Stigmatikerin, Wundmale seit 8.06.1899; diese verschwanden am Samstag u. Sonntag, erneuerten sich aber jeden Donnerstag während der Ekstasen. Am 19.07.1900 erschienen auch die Stigmen der Dornenkrönung und am 1.03.1901 die Male der Geißelung am ganzen Körper. G. starb an einem Karsamstag, Grab in der Kirche des Passionistinnenklosters in Lucca, dort auch Reliquien. Ihr Seelenführer, der Passionistenpater Germanus vom hl. Stanislaus, sammelte Gemmas Briefe u. beschrieb ihr Leben. Es wird darin auch berichtet, dass ihre Kleidung in der Herzgegend häufig versengt war. Noch 20 Jahre nach ihrem Tod konnte man erkennen, dass drei ihrer Rippen im rechten Winkel gekrümmt waren.

Pn. Phän.: Levitation, Hyperthermie.

Lit.: Bouflet I, 151f., 156; Germano di Stanislao: Der Dienerin Gottes G. G., Jungfrau v. Lucca, Briefe u. Ekstasen. Dt. Ausgabe v. Leo Schlegel, Saarlouis 1913, 101920, bearb. v. Friedr. Ritter v. Lama 1934; Petersdorff, Egon v. (Hg.): Selbstbekenntnisse einer Heiligen. Autobiographie der hl. Gemma Galgani, übertragen v. E. v. Petersdorff. Innsbruck: Rauch, 1952; ders.: Mystisches Tagebuch der heiligen Gemma Galgani, Klagenfurt 1957.

Galgóczy, Elisabeth (*27.06.1905 Szolnok /Ungarn; † 27.03.1962), stigmat. Mystikerin, Sühneseele, schrieb auf Geheiß ihrer Seelenführer ein Tagebuch über ihre mystischen Erlebnisse. Pfarrer Koloman Doroszlai († 1973 begleitete sie die letzten 20 Jahre ihres Lebens und nahm sie in seinem Pfarrhof in Kisújszállás auf, da sie ganz verlassen war. So konnte er auch ein qualifiziertes Zeugnis für ihr heiliges Leben abgeben. G.s Kindheit war von Krankheiten und Unfällen gekennzeichnet. Vor dem Empfang der hl. Kommunion fiel sie in einen Kessel mit heißem Wasser. Beim Beschuss der Bergkirche ihres Dorfes durch die Rumänen nach dem Ende des Ersten Weltkrieges rettete sie die Ziborien mit dem Allerheiligsten aus der Kirche und schwamm durch den Fluss. 1920 erkrankte sie an einer schweren Lungenentzündung. Hatte eine Erscheinung Mariens, die ihr abriet, nach Lourdes zu fahren, um geheilt zu werden. Ab 1929 erschien ihr Maria (Máriáschka) auch später öfters; 1933 mystischer Empfang der hl. Kommunion durch Jesus in Gegenwart ihres Seelenführers. Seligsprechungsprozess eingeleitet.

Gallo, Anna Maria Rosa Nicoletta, OFM (*25.03.1715 Neapel; † 6.10.1791 ebd.), Ordensname: Maria Franziska von den fünf Wunden Christi, heilig (1867, Fest: 6. Okt.), stigm. Myst.; trat mit 16 Jahren in den Franziskanerorden ein;  dies auch, um den unguten Familienverhältnissen zu entfliehen, denn sie wurde von ihren Verwandten misshandelt u. verfolgt. Maria Franziska lebte jedoch nicht in einem Konvent, sondern in stellvertretender Sühne in einem Privathaus, um ständig für die Armen ihrer Gegend arbeiten zu können. Ihr geistlicher Begleiter war der hl. Francesco Saverio > Bianchi. Ihre Handstigmen waren so tief, dass man durch sie hindurchschauen konnte. Sie verbrachte die letzten 38 Jahre ihres Lebens als Haushälterin bei einem Priester. Pn. Phänomen: telekinetische Kommunionen unter beiden Gestalten bezeugt, wenn sie das Haus nicht verlassen konnte. Das Haus, in dem sie gelebt hatte und gestorben war, wurde von König Ferdinand II. von Neapel erworben und in eine kleine Kirche zu ihren Ehren umgestaltet (im Spanischen Viertel, Vico Tre Re a Toledo).

Lit.: Richard, A.: Leben der hl. M. Fr.  v. d. fünf Wunden Jesu Christi, Mainz 21881.

Gardner, Frederick Leigh (1857 – ca. 1930), Generalsekretär der SRIA (Societas Rosicruciana in Anglia) und Mitglied des Golden Dawn; Autor eines dreibändigen „Catalogue Raisonné of Works on the Occult Sciences“ (je ein Band für Rosenkreuzer, Astrologie und Freimaurerei), ersch. im Eigenverlag, London 1903 –1912.

Gardner, Gerald Brous(s)eau (*13.06.1884 Blundellsands / Engl., †12.02.1964), Hexen-Pseud. ‘Scire’; engl. Kolonialbeamter, Autor, Okkultist, selbsternannter Hexenmeister; 1900 Übersiedlung nach Ceylon (Sri Lanka), dort Eintritt in eine Freimaurerloge. Auf seinen Asienreisen kam er in Kontakt mit verschiedenen Kulturen, Religionen und Gebräuchen, deren Elemente in seinem später propagierten alten Hexenglauben ihren Niederschlag fanden. G. betrachtete die Hexerei als alte Religion vor dem Christentum. Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges kehrte er nach England zurück, ließ sich in New Forest nieder und schloss sich einer okk. Gruppe an (der Corona Fellowship of Rosicrucians, gegr. v. Mabel Besant-Scott). Dadurch lernte er die Hexenpriesterin Dorothy Clutterbeck (1880 –1951) kennen, die G. angeblich in einen Coven aufnahm und in die Hexenrituale einweihte. Beeinflusst vom Werk > Lelands, kam G. 1946 mit A. > Crowley in Kontakt, Mitglied des 7. Grades des O.T.O; eröffnete in der Hexenmühle Castletown auf der Isle of Man 1951 ein Museum der Hexenkunst, das später Monique Wilson weiterführte. Nach der Aufhebung des Gesetzes gegen Zauberei 1951 legte G. in der Zeitschrift Witchcraft Today 1954 den Grundstein für den neuzeitlichen Hexenkult „Wicca“. G. starb auf See an einem Herzinfarkt. Eine Weiterentwicklung erfolgte durch Alexander > Sanders.

W.: (unter dem Ps. Scire): High Magic’s Aid, 1949; Witchcraft Today, London 1954; The Meaning of Witchcraft, London 1959; Ursprung u. Wirklichkeit der Hexen, Weilheim 1965.

Lit.: Bracelin, J. L.: Gerald Gardner: Witch,  London 1960; Valiente, Doreen: An ABC of Witchcraft, Past and Present, N. Y. 1973.

Garland, Hamlin (1860 –1940), amerikan. Schriftsteller, Autor von 52 Büchern, Ehrendoktorate mehrerer Universitäten; eines der frühesten Mitglieder der American Psychical Society (APS) in Boston / Mass. Diese Gruppe organisierte sich selbst aufgrund der Unzufriedenheit mit der Art und Weise, wie Richard > Hodgson die American Society for Psychical Research (ASPR) führte. Trotz vieler erlebter spiritistischer Phänomene konnte sich G. nicht zur Überzeugung durchringen, dass diese ein Beweis für das Fortleben nach dem Tode seien, obgleich er in seinen späteren Werken mehr der spiritistischen Hypothese zuneigte.

W.: Forty Years of Psychic Research, 1936; The Mystery of the Buried Crosses, 1939.

Garrett, Eileen J. (*17.03.1893 Beau Park, County Meath / Irl.; † 15.09.1970). Geboren als Eileen Jeanette Vancho, verließ sie ihre irische Heimat und wanderte nach Aufenthalten in London und Frankreich in die USA aus. Bereitwilliges Medium u. krit. PPs; ihr geistiger Führer war Uvani. G. entwickelte ihre Fähigkeiten unter Leitung des Spiritisten James H. > McKenzie am British College of  Psychic Science, stellte sich später für Tests betr. automatisches Schreiben u Telepathie zur Verfügung, wurde von verschiedenen Wissenschaftlern in Engl. u. USA untersucht (Dr. Alexis Carrel, Nandor Fodor, Hereward Carrington). Sie hielt die Sitzungen nur in privatem Rahmen ab und verlangte kein Geld; verdienstvolle Gründerin der Parapsychology Foundation 1951. Eine der berühmtesten Séancen fand am 7. Okt. 1930 in London statt, in der sich plötzlich die Stimme des Luftwaffenleutnants H. C. Irwin – den Kontrollgeist Uvani unterbrechend – mit der Botschaft meldete: „Die Mannschaft des Luftschiffes war viel zu groß für die Motorleistung!“ Irwin war zwei Tage zuvor mit 47 anderen Passagieren beim Absturz des Luftschiffs R-101 ums Leben gekommen.

Gasparetto, Luiz Antonio Alencastro

(*16.08.1949 Bairro do Ipiranga, São Paulo, Brasilien), aus einer italienischen Immigrantenfamilie stammender Psychologe, Schriftsteller und automatischer Trancemaler (Psychopiktografiker). Seine medial begabte Mutter Zibia G. machte ihn mit den Lehren des Spiritismus bekannt. Mit 13 Jahren hatte er einen ersten Kontakt mit jenseitigen Künstlern. In den 1970er Jahren wurde G. von Stanislav > Grof und seiner Frau Christina in das Esalen-Institut nach Kalifornien eingeladen, wo u. a. durch G. als Medium einer kleinen Gruppe von Körpertherapeuten die sog. ‚Spiritual Message‘ des jenseitigen chines. Meisters Chung-in-Lang vermittelt wurde. 1978 dokumentierte die englische Fernsehsendung ‚Nationwide‘ seine unter Scheinwerferlicht in Trance produzierten Gemälde. Diese sind keine Replikate, sondern neue Motive im Stil von Monet, Picasso, Rembrandt, Leonardo da Vinci, Modigliani, van Gogh, Gauguin, Renoir und Cézannes, die von Originalen angeblich nicht zu unterscheiden waren. Manchmal malte er mit beiden Händen gleichzeitig an zwei verschiedenen Gemälden, auch im Dunkeln.

Lit.: Stoll, S. J.: Espiritismo à brasileira. São Paulo: Edusp, 1999; Denis, L.: O Espiritismo na Arte. Niterói, RJ: Lachatre, 1994; Braude, Stephen E.: Immortal remains: the evidence for life after death, Rowman & Littlefield 2003; Grof, Stanislav: Impossible – Wenn Unglaubliches passiert: Das Abenteuer außergewöhnlicher Bewusstseinserfahrungen, Kösel 2006 (darin ein Kapitel über Gasparetto).

Gasparin, Comte Agénor de (1810 –1871), französ. Politiker und Schriftsteller, einer der ersten Erforscher des Tischchenrückens und der telekinetischen Bewegungen in einem Zirkel in Valeyres, Schweiz. Obgleich er die Faktizität der pn. Phänomene bestätigen musste, war er kein Anhänger der spiritistischen Deutung.

W.: Des Tables Tournantes, du Surnaturel en general, et des Esprits, Paris 1854.

Gassner, Johann Joseph, Fürst Alexander zu Hohenlohe-Waldenburg (*22.08.1727, Braz / Vorarlberg, Österr.; † 4.04.1779 Pondorf / Donau), kath. Pfarrer, Exorzist und Heiler. Die ersten Studienjahre verbrachte er in Prag. Da während des Erbfolgekrieges in Böhmen die Schulen zeitweise geschlossen waren, kehrte er nach Österreich zurück und setzte seine Studien bei den Jesuiten in Innsbruck fort. 1750 Priesterweihe in Chur, 1751 Seelsorger in Dalaas, 1758 Pfarrer in Klösterle, damals Bistum Chur. Ab 1774 wirkte G. im Bistum Konstanz als Teufelsbanner u. Wunderheiler. In Ellwangen Begegnung mit dem blinden Bischof Graf Ignaz von Fugger, der ihn nach Regensburg mitnahm. Auch in Amberg, Sulzbach und Regensburg erregte G. durch seine exorzistischen Heilungen großes Aufsehen. Die „Gaßnerschen Kuren“ gaben Anlass zu Kontroversen unter katholischen und evangelischen Gelehrten. Die Ingolstädter Universitätskommission gab G. recht, die Wiener Regierung jedoch untersagte ihm 1775 die exorzistische Tätigkeit. Auch die Erzbischöfe von Prag und Salzburg nahmen gegen ihn Stellung. Der Fürstbischof von Regensburg ernannte G. zu seinem Hofkaplan und verlieh  ihm 1776 die Dechantenstelle in Pondorf a. D., wo G. bis zu seinem Tode blieb.

Pfarrer G. verdankte seine Erfolge der suggestiven Beeinflussung seiner Patienten, die er auch oft in hypnotischen Schlaf versetzte. Er war jedoch der Auffassung, dass die Krankheiten dämonisch verursacht würden und dass Medikamente, die er nur selten verschrieb, lediglich für die Ungläubigen seien.

Nach Augenzeugenberichten habe G. dem zu heilenden Kranken fest in die Augen geblickt, ihm mit der einen Hand, in der er ein Kreuz hielt, die Stirn und mit der anderen das Genick gedrückt und den ganzen Körper des Betroffenen geschüttelt, während er den Exorzismus sprach. In einem Schreiben vom 20.4.1776 an den Bischof von Regensburg entschied die Römische Kurie schließlich gegen G.

W.: Weise, fromm u. gesund zu leben, auch ruhig u. gottselig zu sterben, oder Nützlicher Unterricht, wider den Teufel zu streiten, durch Beantwortung der Fragen: I. Kann der Teufel dem Leibe der Menschen schaden? II. Welchem am meisten? III. Wie ist zu helfen? Kempten 1774, 121787.

Lit.: Zimmermann, J.  A.: J.  J. Gaßner, der berühmte Exorzist, sein Leben und wundersames Wirken, Kempten 1878, 1879; Fieger, Hans: Don Ferdinand Sterzinger, Bekämpfer des Aberglaubens, des Hexenwahns und der Pfr. Gaßnerschen Wunderkuren, München 1907; Gernhardt, L.: Teufelsbeschwörer J.  J. G. In: Münchener Mediz. Wochenschrift 74 (1927), 1512f.;  Hanauer, Josef: Der Exorzist J.  J. G. Eine Monographie. Diss. Würzburg 1958; Gaßner, Teufelsbanner u. Wunderheiler. In: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg 19 (1985), 303 –545.

Gatterer, Alois, SJ (*28.01.1886 Reichraming / Oberöst.; † 17.02.1953); Naturphilolosoph, Theologe, später Direktor der „Specula Vaticana“ (Vatikanische Sternwarte); pps. Autor, der sich in seinem kritischen Werk in einer für einen damaligen Theologen aufgeschlossenen Weise mit den Fragen im Phänomenbereich des Spiritismus auseinandersetzte.

W.: Der wissenschaftl. Okk. u. sein Verhältnis zur Philosophie. Innsbruck: F. Rauch, 1927.

Gattorno,  Anna Rosa (*14.10.1831 Genua; † 6.05.1900), selig (9.04.2000, Fest: 6. Mai); 1852 Heirat mit Girolamo Custo, der nach sechs Jahren starb, wenige Monate später auch eines ihrer drei Kinder; widmete sich in der Folge karitativen Werken; erhielt 1862 die Stigmen; gründete am 8.12.1866 in Piacenza das Institut der Töchter der hl. Anna, die bereits 1878 als Missionarinnen nach Lateinamerika und Afrika entsandt wurden.

Gaufredi, Louis († 1611), Pfarrer von Marseilles, wurde von der Nonne Madeleine de Demandolx de la Palud der Verhexung bezichtigt, daraufhin Exorzismen u. 1611 Prozess mit Folter u. Verbrennung des Angeklagten; wurde zum Präzedenzfall für > Grandier (1634), > Bavent (1642) u. > Cadière (1731).

Gauquelin, Michael (*13.11.1928 Paris; † 20.05.1991 ebd.), Psychologe, Begründer der wissenschaftl. Neo-Astrologie, Statistiker (Korrelation zwischen Beruf bzw. berufsspezif. Eigenschaften eines Menschen u. Planetenkonstellation).

Gauricus, Lucas (*12.03.1475 Giffoni bei Neapel, daher sein späterer Name Geophonensis; † 5.03.1558 Rom), Bischof u. astrologischer Gelehrter, dessen Vorhersagen von 1512 z. T. Berühmtheit erlangten, so die Aussage, dass der französ. König Heinrich II. nach einem Duell an einer Augenverletzung sterben werde, was am 29. Juni 1559 tatsächlich eintraf.

G. wirkte in Padua, Bologna u. Perugia. Durch seine prognostischen Kalender wurde er bald bekannt. Wie er berichtet, habe er im Jahre 1517 in Perugia das Ende des Gian Paolo Baglioni (1520 in Rom enthauptet) vorhergesehen. Ab 1522 lebte G. in Venedig. Unter dem Pontifikat Clemens’ VII., dem er den Kalender von 1525 gewidmet hatte, erhielt er das Amt eines Apostolischen Protonotars.

Alessandro Farnese sagte er zweimal (1529 u. 1532) die Papstwürde voraus. Dieser ernannte ihn 1539 als Paul III. zum Bischof von Giffoni und 1545 zum Bischof der Provinz Capitanata. Ab 1535 hielt sich G. in Rom auf. Mit dem Tod Pauls III. (1550) kehrte er nach Venedig zurück, wo er, 77-jährig, seinen Tractatus Astrologicus (Sammlung von 180 Horoskopen) verfasste. Dieser enthielt eine sachliche Unrichtigkeit, mit der G. die Venezianer gegen sich aufbrachte: Bei der Beschreibung des Stadthoroskops von Venedig hatte er behauptet, diese hätten bei der Einnahme Paduas am 17.07.1509 die beiden Gelehrten Petrus Trapulinus (philosophus et medicus celeberrimus) und Antonius de Capitibus Vaccae (Antonio Pellegrini) erhängt. Einer der beiden „Erhängten“ lebte allerdings noch, der andere war lange nach diesem Krieg eines natürlichen Todes gestorben. Die Venezianer, verärgert über den Vorwurf, wollten Gauricus verhaften. Er entzog sich jedoch der Verhaftung durch Flucht, verbrachte zunächst einige Jahre in Bologna und kehrte dann, nach dem Ableben Papst Julius’ III. nach Rom zurück.

Mit dem Tod von G. endete auch die kirchliche Förderung der Astrologie. Schon im folgenden Jahr kam sein gesamtes Werk auf die Liste der verbotenen Bücher, die Papst Paul IV. herausgab. In der Bulle Coeli et terrae creator vom 5.01.1586 durch Papst Sixtus V. wurde die Ausübung der Astrologie vollends verboten – erlaubt war nur noch die sog. „natürliche“ Astrologie, z. B. die astrologische Wettervorhersage, nicht aber die Vorhersage von Ereignissen, die vom freien Willen des Menschen abhängen.

Gébelin, Antoine Court de (1719 –1784), französ. hugenott. Pastor, Linguist, Freimaurer, Illuminat; beschäftigte sich vor allem mit den Tarotkarten und stellte die These auf, dass es sich bei den Großen Arkana um eine allegorische Darstellung ewiger Wahrheiten handle, die vom ägyptischen Gott Thoth dessen Adepten hinterlassen worden seien, was durch die heutige Archäologie widerlegt ist. Gründete 1773 den „Göttlichen Orden der Philaleten“, befasste sich mit den Visionen E. > Swedenborgs, war ein Befürworter F. A. > Mesmers.

W.: Le monde primitif, 9 Bde. (ursprüngl. auf 30 Bde. angelegt), 1773 – 82.

Gebser, Jean (*20.08.1905 Posen; † 14.05.1973 Wabern bei Bern), Kulturphilosoph, philosophischer Schriftst., Bewusstseinsforscher. Sein deutscher Name ist eigentlich „Hans“; emigrierte nach Südfrankreich, wo die Namensänderung in „Jean“ erfolgte; lebte seit 1939 in der Schweiz.

Gebser vertritt den evolutiven Zusammenhang von Religionsgeschichte u. menschl. Unbewussten. Er sah in den pps. Phänomenen „Manifestationen der aperspektivischen Welt“.

W.: Ursprung und Gegenwart, 2 Bde. (1949 bis 1953); Gesamtausgabe 7 Bde. Schaffhausen: Novalis, 1986.

Lit.: Schübl, Elmar: Jean Gebser (1905 – 1973). Ein Sucher und Forscher in den Grenz- und Übergangsgebieten des menschlichen Wissens und Philosophierens. Zürich: Chronos, 2003; ders: Jean Gebser und die Frage der Astrologie. Eine philosophisch-anthropologische Studie auf der Grundlage der astrologischen Auffassung von Thomas Ring. Schaffhausen: Novalis, 2003; Zollinger, Christoph: Die Debatte läuft – Ganzheitliche Thesen für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, Die unerhörte Aktualität der integralen Vision Jean Gebsers. Petersberg: Via Nova, 2005.

Geiler von Kaysersberg, Johannes (*16.03.1445 Schaffhausen; † 10.03.1510  Straßburg), bedeutendster deutscher Prediger des ausgehenden Mittelalters. G. v. K. studierte zunächst an der Universität Freiburg und setzte sein Studium 1471 an der theologischen Fakultät der Universität Basel fort, dort zum Dr. theol. promoviert. Übernahm 1476 einen theologischen Lehrstuhl an der Universität Freiburg, wo er im gleichen Jahr auch Rektor wurde. Er gab seine Universitätslaufbahn jedoch nach einem Jahr wieder auf und wurde Seelsorger in Würzburg, danach in Straßburg. Unternahm 1484 eine Pilgerreise nach Südfrankreich und war ab 1488 für mehrere Monate als Prediger in Augsburg tätig. Seine gedruckten Predigten sind informative Quellen für den Volksglauben seiner Zeitgenossen.

W. (Auswahl): Emeis, 1516.

Lit.: Voltmer, Rita: Wie der Wächter auf dem Turm. Ein Prediger und seine Stadt. Johannes Geiler von Kaysersberg (1445 –1510) und Straßburg (= Beiträge zur Landes- und Kulturgeschichte; Bd. 4), Trier 2005; Wimpfeling, Jakob, Beatus Rhenanus: Das Leben des Johannes Geiler von Kaysersberg. Hrsg. von Otto Herding. München: Fink 1970; Bauer, Gerhard (Hg.): Sämtliche Werke (3 Bde. von 11 geplanten). Berlin: de Gruyter, 1989 – 95.

Geley, Gustave (*1868 Montceau-les-Mines; † 15.07.1924 Warschau), Dr.  med. (Univ. Lyon) mit Praxis in Anney, pps. Autor, Medienforscher, von 1919 bis 1924 Dir. des Pariser „Institut Metapsychique International“; entwickelte in seinem ersten Buch eine psycho-dynamische Theorie gegenüber einer materialistischen Philosophie der Seele. In seinem zweiten Werk Vom Unbewussten zum Bewussten vertrat er eine erweiterte Ansicht in dem Sinne, dass die Trancephänomene nicht allein auf das Medium oder die Experimentatoren zurückgeführt werden können, sondern auch eine gewisse Intention und Lenkung von außen her erfahren. Kurz vor der Publikation dieses Buches übernahm er von Jean Meyer, dem Gründer des Institut Metapsychique International, dessen Nachfolge als Direktor. Geley war ein kritischer Forscher und musste seine mit den Medien (Kluski, Eva C.) erzielten Laborergebnisse gegen die Vorwürfe seiner Medizinerkollegen verteidigen. Im Institut von Paris sind noch die Gipsabdrücke materialisierter Körperteile zu sehen. Wenige Tage nach einem Experiment mit Kluski in Warschau starb G. bei einem Flugzeugunglück.

W.: L’Etre Subconscient, Paris 1899; Vom Unbewussten zum Bewussten (De l’Inconscient au Conscient), übertragen und mit einem Nachwort versehen von Rudolf Lambert. Stuttg. / Bln. / Lpz.: Union Deutsche Verlagsges., 1924; Hellsehen und Teleplastik. Ins Dt. übertr. von R. Lambert, Stuttg. 1926.

Geller, Uri (*20.12.1946 Tel Aviv), Sohn von Jitzchak und Margarete Gellér, geb. Freud. Umstrittener angeblicher Sensitiver und Psychokinet jüd.-ungarischer Abstammung, der als Bühnenmagier in den 1970er (1973 / 74) Jahren für ungeheure Publicity sorgte und durch seine Metallbiegeeffekte – sei es durch Tricks oder durch echte psychokinetische Fähigkeiten – zahlreiche Imitatoren („Gellerini“) provozierte. Fernsehauftritte in Europa und USA. Der israel. Pps. Andrija > Puharich behauptete sogar einen Zusammenhang zwischen Gellers Fähigkeiten und der Einwirkung Außerirdischer. Auf dem Höhepunkt seiner Berühmtheit verschwand er plötzlich aus den öffentlichen Shows und fand eine Beschäftigung als Berater bei Firmen für Öl und Bodenschätze. 2008 / 2009 erfuhr G. ein Comeback in einer deutschen TV-Show als qualitativer Kritiker von Bühnentricks in pseudoparanormaler Präsentation (The next Uri Geller).

W.: Mein Wunder-volles Leben. Die Autobiographie eines Mega-Stars. Neuwied: Silberschnur, 1995; Die Macht des Geistes. Nutzen Sie meine Geheimnisse für Wohlstand, Gesundheit und Glück. München: Nymphenburger, 2006.

Lit.: Puharich, A.: Uri: A Journal of the Mystery of Uri Geller. Garden City, N. Y., 1974; Wilson, Colin: Rätsel Uri Geller. Frankfurt: Ullstein, 1979; zus. m. Guy Lyon Playfair: The Geller Effect, N. Y. 1986; Margolis, Jonathan: Uri Geller: Magician or Mystic? Welcome Rain Publishers 1999.

Gemma Galgani > Galgani, G.

Georgievitz-Weitzer, Demeter > Surya,  G. W.

Gérard, Jean-Joseph, OMI (*12.03.1831 Bouxières-aux-Chênes; † 29.05.1914 Roma, Lesotho), selig (15.09.1988 durch Papst Johannes Paul II. in Lesotho, Fest: 29. Mai); trat 1851 in den Orden der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria ein; 1853 Missionar bei den Zulus in Natal; gründete 1862 mit Bischof Allard OMI die erste Mission in Basutoland (= Lesotho) mit dem Hauptsitz in Roma; Vertrauter von König Moshesh; übersetzte viele christliche Texte in die Sesutosprache. Thaumaturg, besaß Gabe der Prophetie, der Herzenskenntnis, kannte das Schicksal der Verstorbenen im Jenseits und konnte einen Verstorbenen wiedererwecken (so geschehen an Azarias Mabathoana am 31.08.1902).

Lit.: Schamoni, W. / K. Besler: Charismatische Heilige. Stein a. Rhein: Christiana, 1989, S. 278 – 288.

Gerhard Majella > Majella, G.

Gerloff, Hans, Dr. phil. (*31.05.1887 Berlin; † 22.09.1967), 1912 / 13 u. 1915 / 16 Lektor f. Deutsch u. Literatur an der Univ. Lund /Schweden, 1916 bis 1937 Gymnasiallehrer in Berlin u. Potsdam, Medienforscher (Einer Nielsen, Anna Rasmussen-Melloni), bes. betr. Materialisationen.

W.: Die Phantome von Kopenhagen, 1954, 21956; Die Heilungen von Lourdes im Lichte der Parapsychologie, 1959; Das Medium Carlos Mirabelli. Eine kritische Untersuchung. Tittmoning: Pustet, 1960.

Germaine Cousin > Cousin, G.

Germer, Karl Johannes (*22.01.1885 Elberfeld; † 25.10.1962 Westpoint / USA), dt. Okkultist, Ordensname im OTO: Frater Saturnus; gründete 1929 mit Martha Künzel die Thelema Verlagsges.; 1941 Auswanderung in die USA, ab 1949 Nachfolger – als Generalgroßmeister des OTO – von A. > Crowley, den er 1925 kennengelernt hatte und dessen Asche er in seinem Garten in Kalifornien beerdigte.

Gertrud van Oosten (*ca. 1300 Voorburg /NL; † 6.01.1358 Delft / NL), stigmat. Seherin, Mystikerin und Begine. Sie kam als armes Mädchen in den Dienst als Magd nach Delft. Als ihr Verlobter eine andere heiratete, beschloss sie, sich den sog. Beginen (in Gruppen asketisch lebende Frauen ohne Gelübde) anzuschließen. Angeblich bluteten ihre Wunden siebenmal am Tag, worüber sie selbst sehr beunruhigt war. Auf ihr Gebet hin hörten die Blutungen auf, die Wundmale aber blieben. Erhielt auch die Gabe der Prophetie. Ihr Beiname van Oosten leitet sich angeblich von ihrem Lieblingslied „Het daghet in den Oosten“ (Der Tag bricht im Osten an) ab. Wird als Patronin der Hausangestellten verehrt.

Lit.: Görres. Joseph von: Die christl. Mystik (1836 – 42), II, 437.

Gertrud von Helfta, Beiname „die Große“ (*6.01.1256 wahrscheinlich in Thüringen; † 17.11.1301/02), kath. Mystikerin, Visionärin; der 27.01.1281 ist als Datum ihrer ersten Christusvision überliefert.

Gessmann, Gustav W., Pseud. G. Manetho (*18.10.1860 Wien; † 1924), österr. Okkultist, Militärbeamter, Studium an der Techn. Hochschule Wien (Chemie), 1897 Sekretär des Steiermärkischen Landesmuseums, beeideter Sachverständiger f. Graphologie am Landesgericht Graz. Autor zahlreicher esot. Werke (Astrologie, Hypnose, Chiromantie),
verfasste unter seinem Pseudonym Manetho eine Reihe mit dem Titel „Occultistische Bilderbogen“ und schrieb auch Beiträge für die Zschr. Sphinx.

W.: Geheimsymbole der Alchemie, 1899; Die Pflanze im Zauberglauben, 1899; Katechismus der Wahrsagekünste mit besonderer Berücksichtigung der Sterndeutekunst, Handlesekunst und Punktierkunst. Eine kulturhistorische Studie. Berlin: Karl Siegismund Verlag, 31919; Mediengruppe Koenig, 2009.

Geuser, Marie Antoinette de (*20.04.1889; † 22.06.1918), Ordensname: Maria von der Hlst. Dreifaltigkeit, frz. Mystikerin aus Le Havre, nannte sich „Consummata“ als Ausdruck ihrer Hingabe; erfuhr ihre „Bekehrung“ nach einer Herz Jesu-Erscheinung. 1908 wurde sie unsichtbar stigmatisiert, legte dann die Gelübde ab, fand jedoch aus Gesundheitsgründen keine Aufnahme in den Karmel von Pontoise; Läuterung und lange Ekstasen, erhielt die hl. Kommunion angeblich durch Engel.

Lit.: Plus, Raoul: M.A. de G., Vie de Consummata, 21929 (dt.: Regensburg 1930); Ein Leben der Liebe. Von einer unbeschuhten Karmelitin aus Köln-Lindenthal, Dülmen 1938.

Gherzi, Klara Isabella (*23.10.1742 Pontedecimo; † 27.10.1800 Gubbio), Dienerin Gottes, Myst., trat bereits mit 16 Jahren in das Klarissenkloster von der Hlst. Dreifaltigkeit in Gubbio ein; kränkelte ihr ganzes Leben hindurch und wurde von Schmerzen geplagt; ab dem 36. Lebensjahr wiederholt zur Äbtissin gewählt (trotz Bettlägerigkeit ab dem 40. Lj.), leitete das Kloster durch ihre Vikarin, starb im Ruf der Heiligkeit. Gabe der Zukunftsschau und der Kardiognosie. Nach ihrem Tod geschahen viele Wunder. 1831 Einleitung des Seligsprechungsprozesses, 1894 Anerkennung der Heroizität ihrer Tugenden.

Lit.: Schamoni, W. / K. Besler: Charismatische Heilige. Stein a. Rh.: Christiana, 1986, S. 104 –109.

Gibier, Paul (1851–1900), französ. Wissenschaftler; Direktor des amerik. Zweiges des New Yorker Pasteur-Instituts. Seinen Zugang zur Parapsychologie fand er durch das Medium Mrs. Salmon, mit dem er sowohl auf seinem Landsitz als auch in seinem Labor in N. Y. zehn Jahre hindurch Experimente durchführte.Er wollte das Medium mit einem Dreijahresvertrag auch nach England, Frankreich und Ägypten bringen, doch kam der Plan nicht zur Ausführung, weil G. infolge eines tragischen Unfalls mit einem durchgehenden Pferd starb. Die Nacht vorher träumte er, dass er allein ausritt, von seinem Wagen geworfen und dabei tödlich verletzt wurde. Er erzählte den Traum seiner Frau und lachte über ihre Befürchtungen.

W.: Spiritism or Eastern Fakirism, 1886; The Analysis of Things Existing, 1890.

Gibson, Edmund Paul (*20.05.1898; † 19.03.1961 Grand Rapids, Michigan,  USA), amerikan. Pps. u. Archäologe; 1925 Heirat mit Lottie L. Hirsch; arbeitete auf dem Gebiet von ASW, PK und Medienforschung.

Gichtel, Johann Georg (*4.03.1638 Regensburg; † 21.01.1710 Amsterdam), dt. Myst., Hrsg. der Schriften Jakob > Böhmes (9 Bde., Amsterdam 1682).

W.: Theosophia practica. 7 Tle., Leiden 1722.

Gifford, George (1548 – 1600), nonkonformistischer brit. Prediger, der in seinen Schriften heftige Kritik am Hexenglauben seiner Zeit übte.

W.: A Discourse of the Subtle Practices of Devils by Witches and Sorcerer, 1587; A  Dialogue Concerning Witches and Witchcrafts, 1593.

Gilles des Raiz, auch: Rais (1404 –1440), Spitzname: Blaubart, blutrünstiger frz. Baron, Schwarzmagier, Begleiter von > Jeanne d’Arc; er stand angebl. unter Einfluss des ehem. Geistlichen Francesco Prelati; Teufelskontakt; G. soll bei den sadistischen magischen Praktiken seiner „Schwarzen Messen“ ca. 140 Jugendliche getötet haben und wurde deswegen hingerichtet.

Gilli, Pierina (1911–1991), ital. Seherin (Marienerscheinungen) aus Montichiari Fontanelle. Maria erschien der 35-jährigen Krankenschwester 1946 / 47 des öfteren als „Rosa Mystica“ in Montichiari u. 1966 in Fontanelle (südl. d. Gardasees); ihre Pilgermadonna weinte Bluttränen. G. erlebte auch eine Höllenvision und wurde von Dämonen körperlich gequält.

Ginzburg, Carlo (*1939), ital. Historiker und Kulturwissenschaftler, der im Hexenglauben Relikte eines schamanist. Totenkultes zu erkennen glaubte.

W.: Die Benandanti. Feldkulte u. Hexenwesen im 16. u. 17. Jh., 1966 (dt. 1980); Hexensabbat, Berlin, dt. 1990.

Giorgi, Francesco (1466 –1540), Franziskaner aus Venedig, christl. Kabbalist, schrieb über die Einheitsverbindung von Mikro- u. Makrokosmos aus der Sicht jüd.-christl. Zahlensymbolik.

W.: De harmonia mundi, 1525.

 Lit.: Yates, F. A.: Die okk. Philosophie im elisabethanischen Zeitalter, 1991.

Giraud, Maximin (1835 –1874), neben Mélanie > Calvat eines der beiden Seherkinder der Erscheinungen von La Salette; kehrte nach einem rastlosen Wanderleben in seinen Heimatort Corps zurück und wurde Likörfabrikant.

Giuliani, Veronica (*27.12.1660 Mercatello sul Metauro, südwestl. von Rimini / I; † 9.07.1727 Città di Castello), eig. Orsola Giuliani, heilig (1839, Fest: 9. Juli); Stigm., Visionärin, Myst.; trat mit 17 Jahren bei den Kapuzinerinnen von Città di Castello (Umbrien) ein, wurde 1694 Novizenmeisterin u. ab 1716 Äbtissin bis zum Tod. 1696 empfing sie die Herzwunde (ihre sterbende Mutter hatte ihr als Vierjähriger die Wunde des hl. Herzens Jesu zur Verehrung zugewiesen), ein Jahr später die übrigen Stigmen. Wurde anfänglich von ihrer Äbtissin zwecks Prüfung im Auftrag des Bischofs streng behandelt: Verlust des Wahlrechts, Verbot der Teilnahme an der hl. Messe u. Kommunion u. a. m.
Charismen: Prophetie (sagte di Pest in Marseille voraus), Kardiognosie, Wundergabe, Krankenheilung, Schwebeekstase, lautes, außergewöhnliches Herzklopfen.

Bei der Untersuchung ihrer Wundmale nach ihrem Tod durch eine bischöfliche Kommission wurden im rechten Herzventrikel kleine Ausprägungen der Leidenswerkzeuge Christi festgestellt (wie bei > Klara von Montefalco).

1728 Translation ihrer Gebeine aus dem gemeinsamen Friedhof in ein eigenes Grab im Chor der Klosterkirche von Città di Castello. Neuerliche Erhebung der Reliquien 1730, die sich heute unter dem Hochaltar der Klosterkirche von Città di Castello befinden.

Lit.: Cioni, R.: S. Veronica Giuliani, Florenz 1951.

Gladstone, W. E. (*29.12.1809 Liverpool; † 19.05.1898 Hawarden, Flintshire, Engl.), mehrmals Premierminister v. England, zeigte großes Interesse an der parapsychologischen Thematik; Mitglied der SPR, betrachtete die Forschung auf diesem Gebiet als das bei weitem Wichtigste, das für die Welt zu tun sei. G. war beeindruckt vom Phänomen der Schreibens auf Schiefertafeln bei einer Sitzung (29. Oktober 1884) mit dem Medium William > Eglinton.

Einige seiner Erinnerungen sind veröffentlicht in: Violet Tweedale‘s Ghosts I Have Seen (1919).

Glahn, A. Frank

(*18.01.1865 Linden; † 6.01.1941 Hollenstedt), eigentl. Friedrich Heinr. August; freimaurerischer okk. Schriftst. u. Verleger, trat in einem seiner Bücher für die Mitwirkung der Frau in der Freimaurerei ein. Es existiert seit 1924 auch der Glahn-Tarot („Deutsches Original Tarot“) mit 78 Karten, der allerdings mit dem historischen Tarot wenig zu tun hat; Hrsg. der Zschr. Astrale Warte (1925 –1932), späterer Hrsg. Prof. Dr. Wolff (1949 –1951).

W.: Pendel-Praxis für Ärzte, Heilkundige, Kriminalisten, Landwirte u. f. die Familie,  Trier 1925; Die Pendelbücherei, Memmingen 1931.

Glanvill, Joseph

(*1636 Plymouth; † 4.11.1680 Bath, Somerset), engl. Geistl., unkrit. Anhänger des Hexenglaubens.

W.: Sadducismus Triumphatus (posthum 1681).

Glasenapp, Helmuth von (*8.09.1891 Berlin; † 25.06.1963 Tübingen), Prof., Indologe, Religionswissenschaftler; starb an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

W. (Auswahl): Der Hinduismus, 1922; Die Heiligen Stätten Indiens, 1928; Der Stufenweg zum Göttlichen, Baden-Baden 1948.

Glauer, Adam Alfred Rudolf > Sebottendorf, Rudolf von.

Gobbi, Stefano (*22.03.1930), kath. Priester, gründete 1972 die marianische Priesterbewegung, hatte Erscheinungen bzw. innere Einsprechungen durch Maria. Ab 7. Juli 1973 begann er mit der Niederschrift einiger dieser Botschaften. Aus der Sammlung entstand das Buch An die Priester, die vielgeliebten Söhne der Muttergottes. Die Botschaften betreffen u. a die Endzeit u. Wiederkunft Christi.

Gödelmann, Johann Georg (*12.05.1559 Tuttlingen; † 20.03.1611 Dresden); studierte zunächst Philosophie in Tübingen, dann ab 1576 Jura in Stuttgart, Tübingen und Wittenberg. In Rostock erlangte er seinen Doktorgrad und hielt Vorlesungen. Ab 1592 war G. kursächsischer Hofrat in Dresden und in der Pfalz; mehrfach Gesandter am kaiserlichen Hof. Seine über die Carolina gehaltenen Vorlesungen veröffentlichte er unter dem Titel Tractatus de magis, veneficis et lamiis recte cognoscendi et puniendis: libri tres. G. gilt als entschiedener Gegner der Hexenverfolgung, lehnte Folter und Todesstrafe ab und plädierte für eine mildere Behandlung der Angeklagten. Teufelsbuhlerei und angebl. Verwandlungen der Hexen in Tiere beruhten seiner Ansicht nach auf Phantasiegebilden. Die Wasserprobe sei widerrechtlich.

W.: Tractatus de magis, veneficis et lamiis recte cognoscendi et puniendis: libri tres, Norimbergae 1584; Von Zäuberern, Hexen u. Unholden... übers. v. Georg Nigrinus 1592.

Goebel, Anna Maria (*1886; † 19.01.1941 Bickendorf in der Eifel, Diözese Trier), Stigm.

Lit.: Ernst, Robert: Anna Maria Goebel, die stigmatisierte Opferseele von Bickendorf (Eifel). Eupen: Markus-Verlag, 1956.

Goehausen, Hermann (1593 –1632), Rechtswissenschaftler in Rinteln.

W.: Processus juridicus contra sagas & veneficios, das ist: Rechtlicher Proceß, Wie man gegen Unholden und Zauberische Personen verfahren soll. Rintelii: Lucius, 1630.

Goldast, Melchior (*6.01.1578 Espen / Bischofszell; † 11.08.1635 Gießen), eigentl. Melchior von Haiminsfeld, Archivar; 1594 Studium der Rechtswissenschaften, Philologie, Geschichte und Theologie an den Universitäten Ingolstadt, Altdorf und Genf; stand seit 1603 als Sekretär und Hauslehrer im Dienst adeliger Familien. 1606 lebte G. in Frankfurt / Main; Historiker in St. Gallen, Weimar u. an anderen Orten. Mit seinen Quellenwerken gehört er zu den Initiatoren der frühneuzeitlichen Geschichtsschreibung; er forderte aber auch eine scharfe Verfolgung und Bestrafung der Hexen.

W.: Rechtliches Bedencken von confiscation der Zauberer u. Hexen-Güther, Bremen 1661.

Lit.: Müller, Rainer A.: Art. Goldast. In: LThK 4, Freiburg u. a. 1995, Sp. 820 – 821; Hoke, R.: Art. Goldast. In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte 1, Berlin 1971, Sp. 1735 –1737.

Goldschmidt, Petrus (1660 –1713), evangel. Pfarrer in Sterup, Superintendent in Güstrau, sorgte durch seine Reden für eine Wiederbelebung der Hexenjagd.

W.: Höllischer Morpheus, daraus erwiesen, das Gespenster seien, namentlich wider D. Bekkern in der bezauberten Welt, Hamburg  1698; Verworffener Hexen u. Zauberadvocat. Das ist: Wohlbegründete Vernichtung des thörichten Vorhabens Hn. Christiani Thomasii, Hamburg 1705.

Goligher, Kathleen (*1898), umstrittenes physikal. Medium aus Irland. Mit ihr experimentierte W.  J. Crawford, Dozent an der Queens University von Belfast. Im Gegensatz zu dessen positiven Untersuchungen fand nach Crawfords Tod (1920) E. E. Fournier d’Albe bei ihr nur Tricks vor.

Lit.: Crawford W.  J.: The Reality of Psychic Phenomena, 1918; Experiments in Psychical Science, 1919; The Psychic Structures of Goligher Circle, N. Y. 1921; Fournier d’Albe, E. E.: The Goligher Circle: May to August 1921. London: Watkins, 1922.

Golowin, Sergius (*31.01.1930 Prag; † 17.07.2006 Bern), esot. Schriftst., 1933 Emigration mit seiner Mutter in die Schweiz. Sein Werk über die Magie der verbotenen Märchen beeinflusste das moderne Hexenbild.

W.: Lexikon der Symbole; Magier Merlin; Das Traumdeutungsbuch des fahrenden Volkes.

Gómez Pereira, Maria (2. Hälfte des 20. Jhs.) steht in Zusammenhang mit dem paranormalen Rätsel von Bélmez, Spanien: Auf dem Küchenboden entdeckte G. 1971 die Umrisse menschlicher Gesichter. Die Hausfrau versuchte zwar, das Bild wegzuwischen, doch verschwand es nicht. Obwohl schließlich der Boden herausgerissen und durch einen Zementboden ersetzt wurde, bildeten sich die Gesichter immer wieder neu. Das pn. Phänomen konnte bislang nicht befriedigend geklärt werden. Möglicherweise hängt es mit einem ehemaligen Friedhof in diesem Gebiet bzw. mit psychokinetischen Einflüssen zusammen.

González, Conchita (*1949), älteste der vier Seherinnen (Maria Cruz González, Maria Dolores Mazón und Jacinta González) von Garabandál in Spanien, wo sich zwischen 2. Juli 1961 und 13. November 1965 angeblich Marienerscheinungen, verbunden mit Botschaften, ereigneten. Ihr Inhalt bezieht sich auf ein künftiges Strafgericht, dem eine Warnung vorausgehe, sowie auf ein bleibendes Wunderzeichen in Garabandál, dessen Datum Conchita 1963 erfuhr und im Februar 1966 an Papst Paul VI. und Kard. Ottaviani weitergab (dieses soll sich zwischen dem 7. und 17. eines Monats zwischen Februar und Juli ereignen). Die Seherinnen wurden später unsicher und widerriefen unter Druck. Alle sind derzeit verheiratet, Conchita lebt in den USA.

Als paranormale Phänomene wurden von Zeugen festgestellt: Ekstasen und Rückwärtslaufen, ohne an Steine auf dem Weg anzustoßen. Die vom Ordinariat in Santandér eingesetzte Kommission war von Beginn an voreingenommen. Dementsprechend fiel das offizielle Urteil des Bischofs (7.11.1961 und 7.10.1962) negativ aus. Nach der Erklärung der Glaubenskongregation in Rom von 1970 waren die Erscheinungen nicht übernatürlichen Ursprungs. Papst Paul VI. war jedoch anderer Ansicht. Jahre später bekannte sich Dr. Luis Morales Noriega, Vorsitzender der seinerzeitigen, vom Bischof ernannten ärztlichen Untersuchungskommission, anlässlich einer Konferenz in Santandér am 30. Mai 1983 zur übernatürlichen Herkunft der Erscheinungen aufgrund selbst erlebter Wunderheilungen.

Lit.: Weber, Albrecht: Garabandál, der Fingerzeig Gottes. Meersburg: Weto, 1993; Hausmann, Irmgard: Die Ereignisse von Garabandál. Muttergotteserscheinungen von 1961–1965 in Nordspanien. Gröbenzeller: S. Hacker, 41986.

Goodrich-Freer, Ada (1857 – 1931), brit. Medium und Erforscherin der Psychologie der Medien; nach ihrem Tod sank ihr Ansehen aufgrund verschiedener bekannt gewordener unrühmlichen Tätigkeiten (Plagiate u. a. Täuschungen)

W.: Recent experiments in crystal vision 1889; Essays in Psychical Research 1899.

Lit.: Campell J.  L. / T. H.Hall: Strange Things: The Story of Fr. Allan McDonald, Ada Goodrich-Freer, and the Society for Psychical Research’s Enquiry into Highland Second Sight, London 1968.

Gordel, Dominic, frz. Gemeindepfarrer aus Vomécourt in Lothringen, der 1631 durch die Aussagen von Kindern u. die Angaben der verurteilten Hexenmeister Claude Cathelinotte u. Hanry Gaubart aus Béthencourt der Hexerei bezichtigt u. grausam gefoltert wurde, ohne dabei das erwünschte Geständnis – dass er an einem Hexensabbat teilgenommen habe – abzulegen.

Gordon, Sir Robert (*7.03.1647; † 1704), legendenumwobener aristokrat. Hexenmeister aus Schottland, der in Gordonstown / Moray eine Festung namens „Round Square“ zum Schutz vor den Nachstellungen des Teufels bauen ließ. Heute ist darin eine Privatschule untergebracht. Der Legende nach wurde Gordon jedoch auf dem Weg zur Kirche von Birnie in der Nähe von Elgin, wo er nach dem Rat eines Geistlichen sicherer sein sollte, vor dessen Augen von einem dämonischen Hund in die Hölle entführt.

Gorn-Old > Sepharial (Pseud.).

Görres, Josef von (*25.01.1776 Koblenz; † 29.01.1848 München), Philos., Historiker, Publizist, ab 1814 Hrsg. des „Rheinischen Merkur“, Chronist okkulter Erscheinungen.

W.: Emanuel Swedenborg, seine Visionen u. sein Verhältnis zur Kirche, Speyer 1827; Christliche Mystik (4 Bde. 1836 –1842), ab 21879 5 Bde.; Neuausgabe: Frankfurt 1990 (NB: z.  T. unkrit. Übernahme abergläub. Quellenmaterials); Mystik, Magie u. Dämonie, München 1927; Das nachtländische Reich, Villach 1948.

Lit.: Denk, K.: Joseph von Görres, Mainz  1876.

Goussanthier, Margarethe > Buchela.

Govinda, Lama Anagarika, Pseud. f. Ernst Lothar Hoffmann (*17.05.1898 Waldheim /Sachsen; † 14.01.1985 Mill Valley, Kalifornien), dt. Buddhist, Maler; studierte 1928 –31 in Ceylon u. Burma Philos. u. dozierte in Indien Archäologie u. buddh. Philos.; Gründer des buddhist. Ordens „Arya Maitreya Mandala“; 1935– 45 Generalsekr. der “International Buddhist University Association”.

W.: Kompendium buddhist. Philos. u. Psych., 1931; Mandala – Gedichte und Betrachtungen, 1961; Der Weg der weißen Wolken,  München 1966; Grundlagen tibetanischer. Mystik, Zürich 1966; Schöpferische Meditation u. multidimensionales Bewusstsein, 1977.

Gowdie, Isobel († 1662), rothaarige, kinderlose schottische Hexe, attraktiv, psychisch vermutlich jedoch nicht ganz zurechnungsfähig; legte 1662 vor der Obrigkeit in Auldearn / Morayshire ein freiwilliges Geständnis ab und belastete sich dadurch selbst sowie die Mitglieder ihres Zirkels. Dementsprechend waren die Folgen.

Grabinski, Bruno (*7.01.1882 Kadlubiez / Oberschlesien; † 11.02.1968 Freiburg i. Br.), kath. pn. Schriftsteller, 25 Jahre Zeitungsredakteur, Spukforscher.

W.: Spuk-u. Geistererscheinungen oder was sonst? Hildesheim: Franz Borgmeyer, 1922; (zus. m. Robert Klimsch) Leben die Toten? Sind Verstorbene zurückgekommen? Nach eidlichen Aussagen und auf Grund sonstiger gut bezeugter Berichte. Olten u. Freiburg i. Br.: Otto Walter, 91949; Zwischen Himmel und Hölle: Tagebuch-Aufzeichnungen über Armenseelen-Erscheinungen, bearb. von Simon Weiss: Eupen: Markus Verlag, 31959 (1. Aufl. u. d. T.: Aus den Tiefen); Was wissen wir vom Jenseits? München 1950; Beweise aus dem Jenseits: Begegnungen mit Abgeschiedenen. Exakter photographischer Bericht für ein persönliches Fortleben. Wiesbaden: Credo, 1964; Flammende Zeichen der Zeit: Offenbarungen, Erscheinungen, Prophezeiungen, Mystik und Pseudomystik in der Gegenwart. Gröbenzell: Hacker, 1972; (zus. mit Leo Oster) Fegfeuer-Visionen der Begnadeten Margarete Schäffer von Gerlachsheim (Baden), Eupen 61974; zahlr. Artikel in der Zschr. Verborgene Welt.

Grad, Bernard, Dr. (*4.02.1920 Montreal; † 27.12.2010 ebd.), kanad. Biologe und Psychiater an der McGill Universität von Montreal, Schüler von Wilhelm > Reich; führte kontrollierte Experimente mit Geistheilern an Vergleichsgruppen von Mäusen mit statistisch signifikantem Erfolg durch.

Graf, Maria (*14.08.1906 Haslen / CH, † 19.02.1964 Sonnenhalb bei Appenzell /CH), kath. Vis., Myst.

Lit.: Verborgen vor der Welt, geborgen in Gott. Offenbarungen der göttl. Liebe von Mutter Graf, hrsg. v. P. Palmatius Zilligen SSCC. Appenzell: Eigenverl. Hilda Graf.

Graminaeus, Diederich (1550 –1610), Mathematikprofessor in Köln, Jurist, Generalanwalt u. Landschreiber im Herzogtum Jülich, Cleve u. Berg.

W.: Inductio sive directorium: Das ist: Anleitung ... wie ein Richter in Criminal- u. peinlichen Sachen die Zauberer u. Hexen belangendt sich zu verhalten... Köln 1594.

Grandier, Urban († 24.08.1634), Pfarrer von St. Peter in Loudun / Frkr., wurde als Urheber der 1632 in Erscheinung getretenen „Besessenheit“ der Ursulinen (Oberin Jeanne des Anges) im Kloster von Loudun angesehen. 1633 kam Jean-Martin de Laubardemont nach Loudun u. führte über Auftrag von Kard. Richelieu den Prozess. G. wurde ohne Beweise verurteilt u. verbrannt. Erst 1638 erlosch die hysterische endemische „Besessenheit“.

Lit.: Aubin, Nicolas: Geschichte der Teufel von Loudun. Oder der Besessenheit der Ursulinerinnen und von der Verdammung und Bestrafung von Urbain Grandier, Pfarrer derselben Stadt. Birkenau / Scheden: Emig / Gauke, o. J. [1980]; Farin, Michael (Hg.): Soeur Jeanne des Anges. Memoiren einer Besessenen. Mit einem Essay über zwei weitere Fälle religiösen Wahns. Nördlingen: Greno-Tb-Verlag, 1989.

Grant, Joan (1907 – 1989), brit. Medium, das durch seine – aufgrund psychometrischer Fähigkeit zustande gekommenen – historischen Novellen bekannt wurde, als vorgebliche, erinnerte Wiedergaben früherer Inkarnationen. G. konnte auch halluzinatorische Gestalten und Szenen sehen, die sie für „Geister“ hielt. Anhand von Berührungen an Gegenständen konnte sie über deren Geschichte berichten. Als ihr ein Freund einmal einen alten ägyptischen Skarabäus in die Hand gab, fiel sie in Trance und diktierte die Geschichte einer gewissen Sekeeta, einer ägypt. Königin vor 5000 Jahren.

W.: Far Memory, N. Y. 1956; zus. mit D. Kelsey: Many Lifetimes, Garden City / N.Y. 1967.

Lit.: Cohen, D.: The Mysteries of Reincarnation, N. Y. 1975; Chambers, P.: Paranormal People: The Famous, the Infamous and the Supernatural, London 1998.

Grant, Kenneth (*23.05.1924; † 15.01.2011), engl. Okkult., Sekretär A. > Crowleys, Autor magischer Bücher; mit John Symonds Hrsg. mehrerer Werke Crowleys. Eine Zeitlang Oberhaupt des sog. Typhonin OTO (TOTO). Gründete 1955 mit anderen Okkultisten eine eigene Isis-Loge, die bis 1962 tätig war; beeinflusst vom amerikan. phantast. Horrorschriftsteller H. P. Lovecraft (1890 – 1937). G. schrieb auch über den engl. Trance-Künstler Austin Osman > Spare, mit dem er befreundet war und den er für sein unveröffentlichtes Werk Grimoire de Zos motivierte. In Kontakt mit Gerald > Gardner und Gregor A. > Gregorius.

W.: Typhonische Trilogien (z. B. The Magical Revival, A. Crowley and the Hidden God, Cults of the Shadow); Wiederbelebung der Magick (The Magickal Revival), Verl. Rita Ruther 1997; Die Nachtseite von Eden (Nightside of Eden), Edition Roter Drache 2008; Schattenkulte (Cults of the Shadow), Edition Roter Drache 2010; Aleister Crowley und der verborgene Gott (Aleister Crowley and the Hidden God), Edition Roter Drache 2010.

Lit.: Cohen, D.: The Mysteries of Reincarnation, N. Y. 1975; Chambers, P.: Paranormal People: The Famous, the Infamous and the Supernatural, London 1998; Evans, Dave: The History of British Magic After Crowley: Kenneth Grant, Amado Crowley, Chaos Magic, Satanism, Lovecraft, the Left Hand Path, Blasphemy and Magical Morality, Hidden Design Ltd. 2007.

Grasshoff, Carl L. Fredrik v. > Heindel, Max.

Graves, Robert (1895 –1985), engl. Romancier. Neben seinen Studien über griech. u. hebräische Mythologie übte er einen nachhaltigen Einfluss auf den Wiccakult aus.

W.: Die weiße Göttin – Sprache des Mythos, 1948 (dt. 1981).

Greber, Johannes (*2.05.1874 Wenigerath, Kr. Bernkastel / D; † 31.03.1944 New York), zunächst kathol. Priester, später Spiritist.
Theologiestudium in Trier, Priesterweihe am 31.03.1900, ab 1.05.1904 Pfarrer in Obergondertshausen im Hunsrück. Angesichts der armen und medizinisch vernachlässigten Bevölkerung gründete er aufgrund einer Vision einen Hilfsbund. Nach einer zweiten Vision am 1.08.1914 (Beginn des Ersten Weltkriegs) organisierte er zugunsten der hungernden Kinder eine „Kinderlandverschickung“ nach Holland. Am 1.04.1915  ließ er sich vom geistlichen Dienst freistellen, um sich diesem Hilfswerk zu widmen. Nach dem Ersten Weltkrieg 1921 Pfarrer in Kell bei Andernach; dort kam er 1923 über einen jungen Mann, der die Fähigkeit hatte, in Trance zu fallen, mit dem Spiritismus in Verbindung. 1925 trennte sich G. von der kath. Kirche, wurde  Spiritist, emigrierte in die USA und  gründete dort eine spirit. Gemeinschaft. In seinen Schriften interpretierte er die Bibel spiritistisch, indem er „Himmelreich“ mit „Geisterreich“ übersetzte.

W.: Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes, seine Gesetze und sein Zweck. Teanneck, N. J.: Joh. Greber Memorial Foundation, 1986.

Green, Celia Elizabeth (*26.11.1935 East Ham, London), engl. Ps., 1961 Mitbegründerin des Psychophysical Research Unit in Oxford zur Untersuchung von AKE. Studium in Oxford und Cambridge, untersuchte u. a. AKE und luzide Träume. 1957 – 62 wissenschaftl. Sekretärin der SPR, Mitglied der Royal Society of Medicine, Dr. phil. 1996. G. stellte die Theorie auf, dass die REM-Phasen des Träumens in direktem Zusammenhang mit dem Wachtraum stehen. Stephen > LaBerge, Frederic > van Eeden.

W.: Out-of-the-Body Experiences, London 1968; Lucid Dreams, the Paradox of Consciousness During Sleep, London 1968; Die Flucht ins Humane. Stuttgart: E. Klett , 1974.

Gregor A. Gregorius > Grosche, Eugen.

Gregor Barbarigo (1625 –1697), heilig (26.05.1960, Fest: 18. Juni); sein unverwester Leib ruht im Dom von S. Maria Assunta in Padua.

Gregory, Anita, geb. Kohser (*9.06.1925 Berlin; † 7.11.1984), brit. Pps., Mitglied der SPR. Als Jüdin war sie gezwungen, Deutschland zu verlassen, und wanderte nach England aus, wo sie am Birkbeck College der Universität London sowie am St. Hugh’s College  in Oxford Sprachen, Philosophie und Psychologie studierte. Durch Vorlesungen von Dr. William Brown in Oxford kam sie 1949 mit der Parapsychologie in Berührung. 1954 Heirat mit Clive Gregory († 1964), dem emerit. Direktor des Londoner Universitätsobservatoriums; gemeinsam gaben sie die Zschr. Cosmos heraus. 1977 veröffentlichte G. in den Annals of Science eine Studie über das Medium Rudi > Schneider und 1982 einen Bericht über ihre Experimente mit Matthew > Manning. Unter den Pseudonymen  ‚Zebedee‘ und ‚John Barnes‘ schrieb sie  mehrere Artikel in der Zschr. Psychic News.

W.: Anatomy of a Fraud (über Poltergeistphänomene in Enfield). In:  Annals of Science 34 (1977); London Experiments with Matthew Manning. In: Proceedings of the Society for Psychical Research 56 (1982); The Strange Case of Rudi Schneider. Metuchen, NJ: Scarecrow Press Inc., 1985.

Griese, Ottokar (1881 – 1932), Okkultist in Prag u. Prerau, dort Leiter der „Universalia“; Hrsg. der Zschr. Isis (Prag 1907), diese wurde später durch Lucifer, 1914 durch Zasveceni (Weihung) und 1920 durch Pentagramm ersetzt.

Griffiths, Bede, auch Swami Dayananda  (*17.12.1906 Walton-on-Thames, Surrey;
† 13.05.1993 im Ashram Saccidananda in Shantivanam), Konvertit, Benediktiner, engl. Religionswissenschaftler; ging 1955 nach Indien, 1968 Übernahme des v. P. Henri Le Saux (Swami Abhishiktananda) gegründ. Ashrams als Begegnungszentrum. Er erstrebte u. lebte die Versöhnung östl. intuitiver Weisheit mit westl. rationaler Wissenschaft („The Marriage of East and West“); erlitt bereits im Dez. 1992 einen Schlaganfall, reiste jedoch noch im Januar seines letzten Lebensjahres nach London, um eine Auszeichnung für seinen Beitrag zur Versöhnung der Weltreligionen entgegenzunehmen.

W.: The Golden String, 1954 (Autobiografie); Return to the Center, 1976; Cosmic Revelation, 1983.

Grillandus, Paulus (Ende 16. Jh.), italien. Theologe u. Hexenrichter  im Verwaltungsbezirk von Rom / Neapel, der den abstrusen Geständnissen der Angeklagten kritiklos Glauben schenkte.

W.: Tractatus de hereticis et sortilegiis, omnifariam coitu eorumque penis, Lugduni 1536, Frankf. 1592; De quaestionibus et tortura.

Griscom, Chris, geb. Johnston  (*3.06.1942 Los Angeles), populäre Autorin des New Age, Heilerin, therapeutische Leiterin eines Lichtzentrums (Light Institute südl. von Santa Fé in Mexico), Gründerin der Nizhoni-Schule für globales Bewusstsein.

W. (Auswahl): Zeit ist eine Illusion, 101986; Die Angst ist eine Lüge – Heilung der Gefühle, 1991; Der Weg des Lichts, 1992; Der Quell des Lebens, 1995.

Siehe auch folgende Websites: www.lightinstitute.com, www.nizhonischool.com

Grishenko, V. S. (20. Jh.), russ. Biophysiker. Von ihm stammt der Terminus „Bioplasma“ (1944 bzw. 1967 mit V. M. Injuschin) zur Beschreibung des fünften Zustandes der Materie als einer universalen Lebenskraft in den Organismen. Die durch die Technik der Kirlianfotografie entstandenen Energiefelder in Form der Lichtkränze werden von manchen Parapsychologen als Beweis für die Existenz des Bioplasmas angesehen. > Injuschin, Viktor.

Grof, Stanislav (*1.07.1931 Prag), Psychiater, Studien an der Karls-Universität in Prag (Dr. med. 1957), Leitfigur der Transpersonalen Psychologie; Befürworter der Legalisierung psychedelischer Drogen (LSD), er  untersuchte den Zusammenhang zwischen ihrem Konsum und den dadurch induzierten Visionen und Bewusstseinsveränderungen der Psyche; lebt seit 1967 in den USA. Gründer (1978) der International Transpersonal Association, deren Präsident er bis 1982 war. Im Zuge seiner Lehr- und Forschungstätigkeit am Esalen-Institut in Big Sur, Kalifornien entwickelte G. zusammen mit seiner Frau Christina die Technik des sog. holotropen Atmens (Hyperventilation mit Unterstützung durch evozierende Musik) als Ersatz für die LSD-Therapie zur Induzierung veränderter Bewusstseinszustände; seit 1987 wohnhaft  in Mill Valley, Kalifornien.

W.: Topographie des Unbewussten, 21983; zus. mit Christina Grof: Jenseits des Todes – An den Toren des Bewusstseins, 1984; Geburt, Tod u. Transzendenz, 1985 (Nach der darin dargelegten Auffassung haben Persönlichkeitsprobleme ihren Ursprung in traumatischen Erfahrungen im Mutterleib u. während der Geburt).

Gronbach, Rosina Magdalena (*12.09.1812 Orlach, Württemberg; † 21.06.1852 ebd.), genannt das Mädchen von Orlach, deren außergewöhnlichen paranormalen Fall Justinus > Kerner beschrieb. In den Jahren 1832 /33 traten bei Magdalena paranormale Wahrnehmungen auf, sie zeigte Symptome einer  Besessenheit  und es ereigneten sich dramatische Spukvorgänge, unter anderem auch Stall- und Feuerspuk. Im Februar des Jahres 1832 erschien ihr ein  weißer Geist, bei dessen Erscheinen kleine Feuer im Haus ausbrachen. Dieses Phantom gab sich als die angeblich am 12. September 1412 geborene Zisterzienserin Marianne Susanne von Orlach aus, die von Magdalena Erlösung erflehte. Im Juni desselben Jahres erschien ihr auch die dunkle, bedrohlich wirkende Gestalt eines Kapuziners. G. fiel in Trance und beantwortete in diesem Zustand Fragen, die gestellt wurden. Der Weinsberger Oberamtsarzt J. Kerner kam aufgrund seiner Beobachtungen zu dem Schluss, dass es sich bei diesem Mädchen um einen Zustand des "Besessenseyns" handle. Der Ortspfarrer war jedoch nicht dieser Ansicht. Die Eltern wie auch Magdalena galten nach dem Zeugnis der Umgebung als rechtschaffen, ordentlich und brav. Nach Auskunft der Geister stand das Wohnhaus der Familie an der Stelle eines einstigen, durch Mordtaten entweihten Klosters. Daraufhin wurde das elterliche Haus abgerissen, womit auch die erscheinenden Phantome verschwanden und Magdalena von ihrem psychischen Ausnahmezustand befreit wurde.

Am 12. Mai 1843 heiratete G. den Bauer und Fleischer Leonhard Sinzig aus Belzhag. In den Jahren 1844 – 1847 gebar sie drei Kinder, die später an Scharlach, Brechruhr und Wassersucht starben; 1849 gebar sie ein Mädchen, das überlebte und Nachkommen hatte. Magdalena starb an Lungenschwindsucht und wurde in Kupferzell begraben; ihr Grab ist jedoch nicht mehr erhalten.

NB: Aufgrund der mehrfachen Brandlegungen begann Magdalenas Vater, Johann Michael Gronbach, ein Tagebuch zu führen, um auf polizeiliche Nachfragen antworten zu können. Dieses Tagebuch bildete auch die Grundlage der Veröffentlichungen von Justinus Kerner. Die seit ca. 1935 vom Hof in Orlach verschwundene Originalhandschrift wurde 2009 wieder aufgefunden und der dortigen Familie Schumm zurückgegeben.

Lit.: Kerner, Justinus: Geschichte des Mädchens von Orlach. In: Geschichten Besessener neuerer Zeit. Beobachtungen aus dem Gebiete kakodämonisch-magnetischer Erscheinungen, nebst Reflexionen von C. A. Eschenmayer über Besessenseyn und Zauber, Stuttg. 1834, Ndr. 1922;  Gehrts, Heino: Das Mädchen von Orlach. Erlebnisse einer Besessenen, Stuttg. 1966; Peter, B.: Zur Geschichte der dissoziativen Identitätsstörung: Justinus Kerner und das Mädchen von Orlach. In: Peter Fiedler (Hg): Trauma, Dissoziation, Persönlichkeit. Pierre Janets Beiträge zur modernen Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, Dustri 2006.

Gröning, Bruno (*30.05.1906 Danzig; † 26.01.1959 Paris), umstrittener Geistheiler mit abenteuerlichem Lebenslauf; der Scharlatanerie verdächtigt, obgleich er sich in seiner vorgeblichen Heilkraft als ein von Gott Gesandter ausgab; begann mit seinen Heilungsversuchen nach dem Zweiten Weltkrieg, berief sich dabei auf einen „Heilstrom“, der von ihm ausgehe und auf Gegenstände (Staniolkugeln) und Personen übertragen werden könne. In der Öffentlichkeit wurde G. nach der angeblichen Geistheilung eines achtjährigen Buben bekannt, der jedoch 1956 im Alter von 16 Jahren starb. 1954 wurde G. in einem Prozess (wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz) freigesprochen, aber mit dem Verbot der beruflichen Ausübung belegt. 1958 neuerlicher Prozess mit Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe mit Bewährung und Geldbuße. Gröning starb an Magenkrebs.

Grosche, Eugen, Pseud. Gregor A. Gregorius (*10.03.1890 Leipzig; † 5.01.1964 Berlin), Buchhändler, Autor mag.-astrolog. Bücher und Okkultist; sehr von A. > Crowleys Doktrinen beeinflusst; Mitbegründer u. Großmeister der Fraternitas Saturni in Berlin, lehrte eine astrologische Gnosis mit Saturn als Mittelpunkt; Hrsg. der Logenzeitschr. Saturn Gnosis (Berlin, 3 Ausg.) u. der Blätter f. angewandte okkulte Lebenskunst.

Grosse, Maurice (6.03.1919 London; †14.06.2006 ebd.), Erfinder und Inhaber mehrerer technischer Patente. Als Spukforscher bekannt geworden durch seine Untersuchungen der Poltergeistphänomene von Enfield bei London 1977. Aufgrund verschiedener merkwürdiger Ereignisse nach dem Tod seiner Tochter Janet (Motorradunfall) erwachte sein Interesse an den paranormalen Phänomenen; er wurde daher Mitglied der SPR und des Londoner Ghost Clubs.

W.: Playfair, G. L. / M. Grosse: Enfield revisited: The evaporation of positive evidence. In: Journal of the Society for Psychical Research 55 (1988), 208 – 219.

Gruber, Elmar R. (*1955 Wien), Ps., Pps., Ethnol., Bewusstseinsforscher, 1980 –1983 Assistent v. Prof. Hans > Bender in dessen Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg / Br.; zu seinen Forschungsgebieten gehören u. a. anomale mentale Phänomene, Schamanismus, Magie; verfasste weltweit erstmals eine CD-ROM über das Gesamtgebiet der paranormalen Forschung: „Mysterium. Eine Reise an die Grenzen des Bewusstseins“.

W.: New Age Wörterbuch, 1986; Die PSI-Protokolle, 1998, 2001.

Gruber, Karl (*30.10.1881 Freiburg / Br.; † 18.06.1927 München), Mediziner, Zoologe, Ordinarius in München, PPs.

W.: Parapsychologische Erkenntnisse, 1925.

Grugeau, Robert (Pseud.) > Charroux, R.

Gschirr, Magdalena (*17.08.1798 Gschnitz, Tirol; † 26.03.1869), Stigmatisierte. Nach ihrer Aussage sollen sich zu ihrer Zeit noch „110 Leidenspersonen“ (gemeint sind wohl ebenfalls Träger der Wundmale Christi) in Tirol befunden haben. Sie starb an einem Karfreitag.

Guaita, Stanislas Marquis de (*6.04.1861 Schloß Alteville / F; † 19.12.1897 Tarquinpol), okk. Schriftsteller, Dichter, Schüler v. Eliphas > Lévi und Albert Jounet. Sektengründer, Satanist, Mitbegründer des Martinistenordens; mit Sar > Péladan Gründung eines Rosenkreuzerzirkels; gründete später einen eigenen Orden (Ordre de la Rose-Croix Catholique) in Paris. Eigenartig ist sein magischer „Psychokrieg“ – verstanden als Aussendung von Dämonen – mit Joseph-Antoine > Boullan wegen dessen sexueller Ausschweifungen im Hexenzirkel von Lyon. Wegen des plötzlichen Todes von Boullan kam es dann zu Duellen zwischen Mitgliedern der beiden Logen. G. starb mit 27 Jahren an einer Überdosis Drogen.

W.: La Serpent de la Genèse, Paris 1897 (Rechtfertigung der Schwarzen Magie).

Lit.: Wirth, Oswald: Stanislas de Guaita, Paris 1935; Billy, André: Stanislas de Guaita,  Paris 1971.

Guazzo, Francesco-Maria (*1570), ital. Mönch, Dämonologe, Autor.

W.: Compendium Maleficarum, 1608, 1626.

Guénon, René Jean-Marie-Joseph (*15.11.1886 Blois / F; † 7.01.1951 Kairo), esot. Schriftsteller; in einer kathol. Familie aufgewachsen, interessierte er sich schon als Kind für das Okkulte, lernte in Paris diverse Geheimgesellschaften kennen, von denen er sich wieder trennte. Anfänglich Mitglied der Theosoph. Ges., wurde er später deren Gegner. Studierte bei > Papus, wurde 1907 Freimaurer; trat 1912 zum Islam über (Name: Abdel Wahed Yahia) und wanderte 1930 nach Ägypten aus. Er vertrat die Ansicht, dass die wahren esoterischen Traditionen nur noch im Osten lebendig seien. G. warnte auch vor den psychosomatischen Gefahren infolge einer Ausübung okkulter Künste.

W. (insgesamt 67!): Le Théosophisme: Histoire d’une pseudo-religion, Paris 1921; Le Roi du Monde, 1927; Le symbolisme de la croix, 1931.

Lit.: Chacornac, Paul: La vie simple de René Guénon, Paris 1958.

Gui, Bernard (1261/62 Royère, Diözese Limoges / F; † 30.12.1331 in einem Kloster bei Lauroux), relativ „gemäßigter“ Inquisitor, denn meistens verhängte er Kerkerstrafen; unter den von ihm ausgesprochenen Urteilen (ca. 900) waren 139 Freisprüche und „nur“ 42 Todesurteile. Nach der Angabe im Lexikon des Satanismus und des Hexenwesens (Marc-Roberts-Team) ließ Gui jedoch über 637 Hexen hinrichten. Mit 18 Jahren Eintritt in das Kloster des Dominikanerordens in Limoges, Profess 1280. Studium der Theologie 1284 bis 1289 in Narbonne, Limoges und Montpellier. Ab 1291 bis 1305 Lehrer seiner Mitbrüder und zeitweise auch Prior in verschiedenen Kollegien. 1306 /07 wurde G. Inquisitor für die Diözese Toulouse bis 1324. 1317/18 wurde er als Vertrauter von Papst Johannes XXII. mit der Verfolgung der Häretikersekte der Fraticellen in Oberitalien betraut. In dieser Zeit entstand wahrscheinlich aufgrund seiner Erfahrungen die „Practica“, sozusagen sein „Handbuch zur Inquisition“.

W.: Practica Inquisitionis haereticae pravitatis, 1306.

Guido de Giorgio > De Giorgio, G.

Gulat-Wellenburg, Walter von, Dr. med. (1877–1944), Autor, deutscher Neurologe und Psychiater in München, während des Ersten Weltkriegs Marine-Stabsarzt der Reserve.

W.: Der physikalische Mediumismus (= Okkultismus in Urkunden, hrsg. v. M. Dessoir) mit W. v. G.-W., Graf Karl v. Klinckowstroem und Dr. med. Hans Rosenbusch. Berlin: Ullstein, 1925; Das Wunder der Autosuggestion. Eine Methode der Heilung durch eigene Seelenkräfte, Gesellschaft für Bildungs- und Lebensreform 1925.

Güldenstubbe, Ludwig (1820 –1873), schwedischer Adeliger, beschäftigte sich als Erster in Frankreich (Paris) mit dem Tischchenrücken. G.s Hauptforschungsgebiet war um 1856 die Direkte Schrift, die er spiritistisch deutete. Veranstaltete in seinem Haus in London Séancen mit Agnes > Nichol.

W.: Pensées d’Outre-Tombe, 1858; Positive Pneumatologie, Stuttg. 1870.

Guppy, Agnes (*1838;  † Dezember 1917), kontroverses physikalisches brit. Medium, verh. Mrs. Samuel Guppy-Volckman. G. ist berühmt geworden wegen ihrer ungewöhnlichen, zahlreichen Apporte (Blumen, Kakteen, Schmetterlinge etc.), Materialisationen, Levitationen und sogar Transport des Mediums selbst in Trance über einige km von ihrer Wohnung in eine Sitzung mit den (betrügerischen?) Medien Herne u. Williams. Sie war stolz auf ihre mediale Fähigkeit und kannte keine Skrupel gegenüber irgendwelchen Rivalen, wenn es um ihre Karriere in der Londoner spiritistischen Szene ging. G. wurde 1866 als Medium von Alfred Russel > Wallace entdeckt.

Lit.: Berry, Catherine: Experiences in Spiritualism: A Record of Extraordinary Phenomena Witnessed Through the Most Powerful Mediums, London 1876; Wallace, A. R.: Miracles and Modern Spiritualism, London 1896; Edmunds, S.: Spiritualism: A Critical Survey, London / N. Y. 1966.

Gurdjew, Georgej Iwanowitsch (*13.01.1872 /1873, lt. Reisepass 28.11.1877, Alexandropol, Armenien; † 29.10.1949 Neu-
illy / Paris), einflussreicher russ. Esoteriker armen.-griech. Herkunft, zog mit seiner griech. Familie nach Kars, wo er die Mysterien der russischen orthodoxen Kirche kennenlernte. 1896 Beginn seiner Reisetätigkeit, Magier, Komponist und Okkultist; 1912 in Moskau, Heirat mit der Gräfin Ostrowsky; wurde Lehrer von Pjotr Demianowitsch > Ouspensky. Bei Ausbruch der russ. Revolution floh er mit seinen Schülern nach Tiflis in Armenien und ließ sich später in Paris nieder; lehrte den Weg der „Selbst-Erinnerung“ (Wahrnehmung der eigenen Wirklichkeit durch prakt. harte Übungen) im „Institut zur harmonischen Entwicklung des Menschen“, zuerst in Tiflis, ab 1922 auf Schloss Avon bei Fontainebleau südl. von Paris; dieses spirituelle Zentrum bestand bis 1933. Er nannte seine Lehre den „Vierten Weg“ der Mystik (neben Mönch, Fakir, Yogi). 1924 Besuch in den USA, schrieb nach seiner Rückkehr mehrere Bücher. Bei seinem Tod war er weithin unbekannt. Erst durch die Veröffentlichung seiner Bücher u. die Arbeit seiner Schüler breiteten sich seine Ideen weltweit aus (Gurdjieff’s Foundation in Paris u. San Francisco). Seine wirkliche Bedeutung ist umstritten.

W.: All and Everything, N. Y. 1950 (All und Alles – Beelzebubs Erzählungen für seinen Enkel; dt. 1981); Meetings with Remarkable Men, N. Y. 1963 (Begegnungen mit bemerkenswerten Menschen, Freiburg 1978); Life is Real Only Then, When „I am“, N. Y. 1975 (Das Leben ist nur dann wirklich, wenn ich bin).

Lit.: Pauwels, Louis: Gurdjew der Magier, München 1956, 1974; Bennett, J. G.: Gurdjieff, der Aufbau einer neuen Welt, Freib. 1976; Webb, James: The Harmonious Circle, N. Y. 1980; Driscoll, J. Walter and the Gurdjieff Foundation of California: Gurdjieff: An Annotated Bibliography, N. Y. 1984.

Gurney, Edmund (*23.03.1847 Horsham /Engl.; † 23.06.1888), studierte Medizin u. Musik, zwischen 1874 u. 1878 nahm er an mehreren spiritist. Sitzungen teil; gründete mit William > Barrett u. Henry > Sidgwick 1882 die SPR, Herausgeber der Proceedings of the SPR. Er erkannte als einer der ersten Forscher, dass Medien in Trance das Unbewusste anzapfen können. Besonders interessierte er sich für die Frage der Gedankenübertragung. Sein Werk Phantasms of the Living (zus. mit Frederic W. H. > Myers und Frank > Podmore) war die erste seriöse wissenschaftliche Untersuchung über eine solche telepathische Induktion. Auf ihn geht der Terminus „borderland dreams“ (Schwellenträume) zurück, in denen sich unter Umständen auch paranormale Inhalte manifestieren können.

W.: Gurney / Myers / Podmore: Phantasms of the Living. 2 vols., London 1886 (dt.: Gespenster Lebender, 1897).

Gurwitsch, Alexander (1874 –1954), russ. Biologe, prägte den Begriff des „morphogenetischen Feldes“ in dem Sinne, dass Organismen bei ihrer Entwicklung in ein bestehendes Feld hineinwachsen, das ihre Form bestimmt. Diese Annahme wurde von R. > Sheldrake theoretisch weiter ausgebaut.

Gutberlet, Konstantin (1837–1928), kathol. Theologe u. Philos.-Prof. in Fulda.

W.: Der Spiritismus, Fulda 1885; Der Kampf um die Seele (2 Bde.), Mainz 1899, 21903.

Guyon du Chesnoy, Jeanne Marie, geb. Bouvière de la Mothe (*13.04.1648 Montargis, Loiret; † 9.06.1717 Blois), frz. Myst., Vertreterin des Quietismus, Schriftst.; von Kindheit an in verschiedenen Klöstern aufgewachsen und fromm, las sie die Schriften von Franz v. Sales und J.-Fr. Frémyot de Chantal. In ein Kloster eintreten durfte sie nicht, sondern wurde ohne ihr Wissen mit 16 Jahren von ihrer Mutter mit dem 38-jährigen kränklichen Jacques Guyon († 1676) verlobt. Der Ehe entsprangen fünf Kinder. Auch nach ihrer Heirat lebte sie mit Christus als ihrem Bräutigam, dem sie sich formell verlobte. 1680 Übersiedlung nach Paris u. 1681 nach Gex bei Genf, wo sie nur kurz blieb. In Thonon bei Genf begann sie ihre fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit. Der Barnabit Francois La Combe wurde ihr Beichtvater. Ihm folgte sie in verschiedene Orte, 1686 schließlich nach Paris. 1688 wurde F. > Fénelon ihr Seelenfreund und späterer Verteidiger ihrer mystischen Erfahrungen und Deutungen quietistischer Art. Am 10.03.1695 verurteilte eine Kommission in Issy 30 ihrer Sätze; G. leistete dann auch am 15.04.1695 den verlangten Widerruf (wurde wegen ihrer sog. „verderblichen Irrlehren“ mehrfach eingekerkert). Die letzten 15 Jahre lebte sie zurückgezogen bei ihrem Sohn in Diziers bei Blois.

W.: La vie de Mme G. Ècrite par elle-même, qui contient toutes les expériences de la vie intérieure (Autobiogr.), 1688 / 1709, 3 Bde., Köln 1720 u. a.; übers. v. H. v. Monteglaut, 3 Bde., Berlin 1826; Gesamtausgaben: Portugal, hrsg. v. Pierre Poiret, 39 Bde., Köln, 1713 –32, v. Jean-Philipp Dutoit, 40 Bände, Paris, 1767– 91.

Lit.: Von Redern, Hedwig: Die Geschichte einer Seele. Leben, Leiden u. Lehren v. J. M. B. de la Mothe G., 1908; Saulnier, A. H.: L’esprit d’enfance dans la vie et la poésie de G., Diss., Paris 1958.

Guzyk, Jan (1875 –1928), kontrovers beurteiltes poln. Materialisationsmedium (Ektoplasmie, Telekinese). Schon mit 15 Jahren entdeckte er unter Förderung durch den Spiritisten Chlopicki seine Medialität und kam durch A. N. > Aksakow nach Petersburg. Gustave > Geley hielt 1921 in Warschau mehrere Sitzungen mit ihm ab und nahm ihn nach Paris mit, wo im Institut Métapsychique International und an der Sorbonne eine weitere Serie von Séancen mit G. vorgenommen wurde. G. brauchte absolute Dunkelheit für das Zustandekommen der Effekte. Es kam zu Materialisationen von menschlichen und tierischen Gestalten (u. a. ein affenähnl. Wesen ‚Pithecanthropus‘). G. wurde öfters bei Simulationen ertappt, vor allem wenn seine Fähigkeiten schwach und die Kontrollen nicht stringent waren.

Lit.: Geley, G.: Clairvoyance and Materialisation: A Record of Experiments, N. Y. 1927; Price, H.: Leaves from a Psychist’s Case-Book, London 1933.

Gystrow, Ernst (Pseud.) > Hellpach, W. H.