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IGW - INSTITUT FÜR GRENZGEBIETE DER WISSENSCHAFT - RESCH VERLAG

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Editorial 2014

Editorial 2014

EDITORIAL 2014

In den Grenzbereichen der Wissenschaft

ANDREAS RESCH

Die Grenzgebiete der Wissenschaft erhalten einerseits immer größere Beachtung, werden aber andererseits vom wissenschaftlichen Establishment nach wie vor an den Rand gedrückt.

Gesteigertes Interesse
Die immer größere Beachtung hat allerdings mit Wissenschaftlichkeit nichts zu tun, sondern nur mit Wirtschaftlichkeit. Insbesondere im Tourismus fordert man ein zunehmend breiteres Angebot für Gesundheits- und Schönheitspflege auf dem Boden der alternativen Heilmethoden und der esoterischen Lebensberatung. Es geht dabei nicht um wissenschaftliche Begründung, sondern vornehmlich um die Akzeptanz. Was bezahlt wird, ist einfach gut. Dies stimmt jedenfalls bei all jenen Praktiken und Mitteln, die von sich aus keinen Schaden verursachen. Die positive Bewertung des Kunden erhöht von selbst sein Wohlbefinden und seine Zufriedenheit, auf die es dem Gastgeber und den Betreuern schließlich ankommt. Der Gast sucht heute neben Gastfreundschaft, Erholung und gastronomischer Verwöhnung auch noch Energie-, Gesundheits- und Schönheitspflege, um für den Alltag fit und konkurrenzfähig zu sein, im Alter verjüngt und energetisch aufgeladen zu werden. Hier drückt dann auch der ansonsten streng wachende Blick der Wissenschaft eine Auge wenn nicht beide zu, sofern man dabei selbst mitnaschen kann. So gibt es in Medizin, Psychologie und Pflege inzwischen eine Unzahl von Angeboten, die oft noch esoterischer als die Esoterik sind, die zumindest auch noch die spirituelle Nachfrage zu beantworten sucht.

Peer-Review
Ganz anders ist die Stellung der Grenzgebiete innerhalb der Wissenschaft, insbesondere der Naturwissenschaft. Hier geht es neben Geld auch um Anerkennung. Das Geld, d. h. die Wissenschaftsförderung, fließt heute schon in vielen Ländern nur mehr in Projekte und Beiträge, die zumindest einen naturwissenschaftlichen Anstrich haben und einen sichtbaren wirtschaftlichen Vorteil versprechen. So werden beispielsweise in Psychologie nur mehr Beiträge in wissenschaftlich etablierte Zeitschriften aufgenommen, wenn sie zumindest auch Daten einer Magnetresonanz enthalten. Der wissenschaftliche Stempel wird dabei durch das sog. „Peer Review“ aufgedrückt, weshalb hier kurz darauf eingegangen werden soll.
Peer-Review (Begutachtung durch Ebenbürtige, seltener: Kreuzgutachten) ist im Wissenschaftsbetrieb ein Verfahren zur Beurteilung wissenschaftlicher Arbeiten, insbesondere von Publikationen. Dabei werden angeblich unabhängige Gutachter (peer für Ebenbürtiger, Gleichrangiger) aus dem Fachgebiet des betreffenden Autors herangezogen, um die Qualität zu beurteilen.
Viele wissenschaftliche Fachzeitschriften nutzen ein Peer-Review, um über die Veröffentlichung eingereichter Manuskripte zu entscheiden. Eine Veröffentlichung, die das Peer-Review erfolgreich durchlaufen hat, wird begutachteter Beitrag (reviewed paper oder auch refereed paper) genannt. Häufig wird bei Veröffentlichungen ein Peer-Review mit einem Doppelblindgutachten (double-blind review) kombiniert, d.h., Begutachteter und Begutachter bleiben anonym.
Anträge zur Förderung von Forschungsprojekten sind ein weiterer Bereich, in dem eine Beurteilung durch Peer-Review üblich ist.
Geschichtlich geht das Peer-Review auf Henry Oldenburg, den Herausgeber der seit 1655 in London erscheinenden Zeitschrift Philosophical Transaction, zurück, der sich als Theologe nicht in der Lage sah, die Qualität eingereichter Aufsätze zu naturwissenschaftlichen Themen selbst angemessen zu beurteilen. Hier stand die Begutachtung allerdings noch im freien Ermessen der Redaktion.
Nun ist Peer-Review inzwischen bei über 1200 Fachzeitschriften zur Aufnahmebedingung geworden. So löblich das ist, gibt es inhaltlich und sachlich auch Nachteile. Zum einen verschafft dies den sogenannten etablierten „Kompetenzen“ eines Fachgebietes die Möglichkeit, ihre Position durch abwertende Beurteilungen zu zementieren und Konkurrenten fernzuhalten. Durch ihre Anonymität brauchen sie sich auch nicht darüber zu rechtfertigen, ob sie den Beitrag überhaupt gelesen haben. Es gilt das Urteil. Damit verbunden ist oft auch das Faktum, dass Beiträge beim Gutachter sogar bis zu einem Jahr liegen bleiben.
Das Hauptgewicht des Peer-Review ist jedoch darin gelegen, dass für Karriere und Forschungsbeiträge nur Artikel von Zeitschriften herangezogen werden, bei denen Peer-Review verpflichtend ist. Das stärkt zwar die Position der Zeitschriften, schmälert aber gleichzeitig Vielfalt und Inhaltsbreite. Bei naturwissenschaftlichen Daten, wo die Methode den Inhalt bestimmt, können solche Kontrollen, besonders wo es um Gesundheit geht, geboten sein. Allerdings sind naturwissenschaftliche Daten nicht selten vom Auftraggeber bestimmt.
Aus all diesen Gründen ist die Suche nach Alternativen zu Peer-Review voll im Gange, wie Nennung der Namen, Bezahlung der Gutachter usw.

Grenzgebiete der Wissenschaft und ETHICA
Was unsere beiden Zeitschriften Grenzgebiete der Wissenschaft und ETHICA betrifft, so erfolgt die Fachlektüre durch die Redaktion. Bei speziellen Fragen und naturwissenschaftlichen Daten werden entsprechende Fachkräfte beigezogen. Uns geht es in erster Linie um Inhalte, die als Beitrag methodisch sauber ausgearbeitet sind, zumal gerade die Beiträge zu den Grenzgebieten der Wissenschaft sehr oft die Sichtweise der einzelnen Fachgebiete sprengen, weil sie disziplin- und themenüberschreitend sind. So findet man heute kaum noch eine fachwissenschaftliche Zeitschrift, welche die Frage der Seele zu den Grundfragen von Verhalten und außergewöhnlichen Phänomenen zählt und das Unerklärliche nicht grundsätzlich ausklammert. Für uns ist das Unerklärliche schon deshalb zu beachten, weil die Reduktion des Lebens auf das Messbare den Lebenspuls ausschaltet. So besagt eine saubere Beschreibung des Phänomens oft mehr als eine experimentelle Untersuchung und vorgefasste Erklärung. Solche vorgefasste Erklärungen kommen nicht nur von wissenschaftlicher, sondern sehr oft auch von vorwissenschaftlicher Seite.
Unsere Haltung ist demgegenüber Phänomen-Offenheit und wissenschaftsmethodische Sauberkeit, wo Inhalte ihren Platz behalten.
Mit diesen Hinweisen wollte ich nur kurz auf die heutige Situation der wissenschaftlichen Publikation verweisen.

imagomundi.biz
Am Schluss möchte ich Sie noch auf unsere dynamische Homepage www.imagomundi.biz verweisen, über die es nun auch möglich ist, einzelne Beiträge unserer Zeitschriften sowie Bücher, sonstige Schriften und Sonderdrucke in einer direkten Form zu bestellen. Es muss allerdings darauf verwiesen werden, dass sich die Website im Aufbau befindet und daher erst zunehmend wachsen wird.
Unsere statische Homepage www.igw-resch-verlag.at/ ist natürlich weiterhin in Gebrauch und wird auch gewartet. In vielen Fällen, vor allem bei Langzeitspeicherung, hat eine statische Homepage immer noch ihre Vorteile. Auch die vielfach verpönten Frames bieten besonders bei lexikalischen Werken eine nicht zu ersetzende Hilfe.
Dabei soll nicht übersehen werden, dass sich gerade im Internet und bei den Empfangsgeräten ein ständiger Wandel vollzieht und der Kunde sich nur punkthaft und möglichst rasch informieren will. Zeit für eingehende Beschäftigung oder Vertiefung ist nicht eingeplant. Längere Beiträge sollen zudem gratis sein. Davon können allerdings eine Redaktion und ein Verlag nicht leben.